Die äußerst beliebte Social-Media-App TikTok hat in den USA still und heimlich eine Datenschutzrichtlinie eingeführt, die besagt, dass sie „biometrische Identifikatoren und biometrische Informationen sammeln kann“. Mit anderen Worten: Es ist davon auszugehen, dass TikTok irgendwann in der Zukunft biometrische Daten sammeln wird, solange nicht Millionen von Nutzern die App löschen oder die US-Regierung eingreift. Ersteres ist unwahrscheinlich, letzteres zumindest eine Möglichkeit.

Fast eine Milliarde Nutzer

Im Jahr 2020 hatte TikTok rund 800 Millionen Nutzer weltweit. Damit ist TikTok eine der am häufigsten heruntergeladenen Apps der Welt. Im Februar 2019 überschritt sie die Schwelle von einer Milliarde Downloads. Heute liegt die Gesamtzahl der Nutzer, die TikTok heruntergeladen haben, bereits bei über 1,5 Milliarden.

TikTok ist ein bisschen wie Instagram, aber mit einem Fokus auf Kurzvideos. Eigentlich ist die App für Musikvideos gedacht, aber inzwischen nutzen die Leute sie für das Erstellen aller möglichen Arten von Videos. In gewissem Sinne ist durch TikTok eine neue Kunstform entstanden, und dank der einfachen Bearbeitungsfunktionen der App kann damit praktisch jeder ein Video erstellen.

TikTok sammelt „Gesichts- und Stimmabdrücke“

Doch zurück zu den Daten, die TikTok sammelt. In den Datenschutzbestimmungen von TikTok heißt es: „Wir können biometrische Identifikatoren und biometrische Informationen, wie sie in den US-Gesetzen definiert sind, zum Beispiel Gesichts- und Stimmabdrücke, aus Ihren Benutzerinhalten erfassen. Wo dies gesetzlich vorgeschrieben ist, werden wir vor einer solchen Erfassung alle erforderlichen Genehmigungen von Ihnen einholen.“ Jedoch wird nicht erklärt, warum TikTok diese Daten überhaupt benötigt. Die Begriffe „Gesichtsabdruck“ oder „Stimmabdruck“ – angelehnt an Fingerabdruck – werden nicht genauer definiert. Es wird auch nicht erklärt, wie TikTok die „erforderlichen Genehmigungen“ von den Nutzern einholen würde.

Erwähnenswert ist jedoch, dass die neue Offenlegung über die Sammlung biometrischer Daten auf einen 92-Millionen-Dollar-Vergleich folgte – das Ergebnis einer Sammelklage gegen TikTok. Diese wurde ursprünglich im Mai 2020 eingereicht, weil die Social-Media-App gegen den „Biometric Information Privacy Act“ im US-Bundesstaat Illinois verstoßen hatte. Die Klage umfasste mehr als 20 separate Fälle, die gegen TikTok eingereicht wurden, weil die Plattform persönliche und biometrische Daten ohne Zustimmung der Nutzer erfasst und weitergegeben hatte. Konkret ging es dabei um die Nutzung von Gesichtsfiltertechnologie für Spezialeffekte.

TikTok ist nun also bereit, sich biometrische Daten der Nutzer unter den Nagel zu reißen, und es ist mehr als wahrscheinlich, dass die neue Datenschutzrichtlinie vor allem dazu dient, weitere Klagen abzuwenden.

Unmengen an persönlichen Daten

Auch ohne biometrische Daten verfügt TikTok über eine Vielzahl an Daten über seine Nutzer, ihre Inhalte und ihre Geräte. Die TikTok-Richtlinie besagt, dass das Unternehmen automatisch Informationen über die Geräte seiner Nutzer sammelt, darunter beispielsweise Standortdaten auf der Grundlage von SIM-Karten, IP-Adressen oder GPS.

Darüber hinaus werden alle von den Nutzern erstellten oder hochgeladenen Inhalte, Daten, die sie in Nachrichten auf der App senden, Cookies, App- und Dateinamen auf dem Gerät, der Akkustand oder sogar die Tastendruckmuster und -rhythmen erfasst.

Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst?

Aber was passiert mit den Daten? TikTok ist Eigentum des in Peking ansässigen Technologieunternehmens ByteDance, das 2012 vom chinesischen Milliardär Zhang Yiming gegründet wurde. Das chinesische Nachrichtendienstgesetz von 2017 besagt, dass chinesische Unternehmen Daten nicht nur auf Anfrage an die chinesische Regierung weitergeben, sondern dieses Weitergeben auch geheim halten müssen.

TikTok hat erklärt, dass es etwa die Daten von Nutzern in den USA nur in seinen Rechenzentren in den USA und in Singapur speichert. Nach eigenen Angaben hat TikTok noch nie Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergegeben oder Inhalte zensiert. Zudem erklärte das Unternehmen, das es dies auch nie tun würde, selbst wenn es verlangt werden würde.

Mit einem VPN können TikTok-Nutzer Privatsphäre zurückgewinnen

Die gute Nachricht: TikTok-Nutzer können zumindest einen Teil ihrer Privatsphäre zurückgewinnen. Mit einem VPN können Sie Ihren physischen Standort schützen und Ihre IP-Adresse verbergen, indem Sie sich mit dem Server eines beliebigen Landes verbinden und eine andere IP-Adresse erhalten. Diese kann nicht zu Ihnen zurückverfolgt werden.

Wenn Sie bereits TikTok-Videos drehen, haben Sie bestimmt schon einmal darüber nachgedacht, sich mit einem öffentlichen WLAN zu verbinden, um Ihr Datenvolumen zu schonen. Das ist leider keine besonders gute Idee: Wenn Sie eine Verbindung mit einem kostenlosen WLAN-Hotspot herstellen, setzen Sie Ihr Gerät und Ihre Daten einem hohen Risiko aus. Nicht selten kapern Cyber-Hacker ungesicherte WLAN-Netzwerke und greifen jeden an, der mit ihnen verbunden ist. Dadurch haben sie Zugriff auf alle Konten, die Sie verwenden, während Sie mit dem Netzwerk verbunden sind – einschließlich TikTok.

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