Die Sache ist die: Privatsphäre in digitalen Umgebungen wird für viele Menschen zu ei-nem immer bedeutenderen Anliegen. Das Gleiche gilt auch für die Regierungen in Euro-pa. Viele von ihnen verhängen Geldstrafen gegen große Technologieunternehmen, die die Privatsphäre von Online-Nutzer:innen missachten.

Natürlich haben die großen Tech-Unternehmen dies erkannt und wissen genau, dass die zunehmenden Anforderungen an den Datenschutz sich letztlich auch auf ihren Gewinn auswirken könnte. Sie möchten daher Änderungen für mehr Privatsphäre und Daten-schutz umsetzen. Aber tun sie das auch wirklich? Oberflächlich betrachtet scheint dies so zu sein, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Warum also nicht einmal alle Daten anfordern, die zum Beispiel Amazon über Sie ge-sammelt hat? Das würde Ihnen sicherlich einen guten Eindruck darüber vermitteln, was das Unternehmen bereits alles über Sie weiß.

Wir reden hier zwar von Amazon, aber die ausufernde Datensammlung ist bei weitem kein Amazon-spezifisches Problem. Bei großen Technologieunternehmen ist dies so ziem-lich der Standard. Sogar Apple – ein Unternehmen, das viel über den Schutz der Pri-vatsphäre seiner Nutzer:innen spricht – wurde in der Vergangenheit mehrfach kritisiert, weil es Siri-Interaktionen aufzeichnete und die Daten anschließend mit Drittanbietern teilte.

Schauen Sie sich am besten selbst an, welche Informationen Amazon über Sie gespei-chert hat. Es ist sowohl aufschlussreich als auch gruselig und geht noch dazu ganz ein-fach. Folgen Sie einfach den folgenden Schritten:
  1. Gehen Sie auf die Amazon-Hilfeseite und loggen Sie sich anschließend in Ihr Amazon-Konto ein.
  2. Gehen Sie zu Sicherheit & Datenschutz → Datenschutz → Fordern Sie anschlie-ßend Ihre persönlichen Informationen an.
  3. Klicken Sie dafür auf „Meine Daten anfordern“.
  4. Wählen Sie aus dem Dropdown-Menü die Daten aus, die Sie von Amazon erhalten möchten. Falls Sie alle Daten sehen möchten, wählen Sie „Alle Ihre Daten anfor-dern“.
  5. Klicken Sie dann auf „Anfrage senden“.
  6. Sobald Ihre Anfrage bearbeitet wurde, wird ein Link an die mit Ihrem Konto ver-knüpfte E-Mail-Adresse gesendet. Klicken Sie auf den Link, um Ihre Anfrage zu bestätigen.
Anschließend können Sie sich einfach zurücklehnen und abwarten. Manchmal kann es etwas dauern – in manchen Fällen sogar Wochen – aber Sie werden die Informationen erhalten. Wenn dann schließlich die Daten eintrudeln, müssen Sie sich auf etwas gefasst machen!
  • Falls Sie alle Daten angefordert hatten, werden Sie vermutlich erstmal über die Menge der Daten schockiert sein. Denn, so gut wie alles, was Sie in der Vergan-genheit mit einem Amazon-Produkt oder -Dienst zu tun hatten, wird standardmä-ßig protokolliert und aufgezeichnet.
  • Seien Sie nicht überrascht, dass das Unternehmen sogar Ihren Browserverlauf und Ihre Einkaufsdaten protokolliert, sobald Sie nur die Webseite von Amazon besu-chen.
  • Aber es geht noch weit darüber hinaus: Wenn Sie beispielsweise über die Ama-zon-Plattformen Videoinhalte ansehen, werden alle diese Informationen ebenfalls aufgezeichnet.
  • Noch unheimlicher wird es dann bei anderen Amazon-Produkten: Falls Sie Bücher auf einem Kindle lesen, zeichnet Amazon Ihre Leseaktivität auf, einschließlich der Geschwindigkeit, mit der Sie die Seiten umblättern. Verrückt, oder?
  • Falls Sie einen der intelligenten Lautsprecher von Amazon besitzen, wird alles aufgezeichnet, was Sie jemals zu diesem Gerät gesagt haben.
  • Sobald Sie Alexa eine Frage stellen oder einen Befehl erteilen, speichert Amazon die Audiodateien der gesamten Interaktion. Sie können sich im Nachgang jede dieser Audiodateien anhören und Momente Revue passieren lassen, von denen Sie wahrscheinlich gar nicht wussten, dass sie überhaupt jemals aufgezeichnet wur-den.
Ein Reporter von Reuters fand in einem Eigenexperiment heraus, dass Amazon über ei-nen Zeitraum von dreieinhalb Jahren mehr als 90.000 (!) Aufnahmen gespeichert hatte. Darunter befanden sich auch Aufnahmen der Kinder des Reporters, die Alexa Fragen stellten, sowie Aufnahmen, wie sich die Kinder bei den Eltern entschuldigten. In einigen Fällen entdeckte der Reporter sogar längere Gespräche, die über den Rahmen einer nor-malen Alexa-Abfrage hinausgingen.

Also Ja, Amazon surft auf der Welle des Datenschutzes, indem Ihnen der Zugang zu den gesammelten Daten ermöglicht wird. Das Problem ist jedoch – und das ist ein gewaltiger Stolperstein – dass Sie letztendlich wenig tun können, um diese Daten zu löschen.

Sie können Ihre Datenschutzeinstellungen so ändern, dass Ihre Geräte vielleicht nicht mehr ganz so viele Informationen aufzeichnen. Aber die einzige wirkliche Möglichkeit ist, das gesamte Konto zu löschen, mit dem Ihre Daten in Verbindung stehen.